Moderatorin Merle Becker bei einer Live Moderation

Wenn ich Menschen erzähle, dass ich Moderatorin bin, gucke ich immer wieder in erstaunte Gesichter. Und nicht selten kommt als erstes die Frage: „Auf welchem Sender moderierst Du denn?“, gefolgt von dem enttäuschten Gesicht, wenn ich keine Samstagabend-Show nennen kann, die ich gerade moderiere. Was genau machen meine Kolleg:innen und ich denn dann eigentlich den ganzen Tag?

Während es im Englischen viele verschiedene Abstufungen für die unterschiedlichen Einsatzbereiche von Moderator:innen gibt (etwa „Host“, „Facilitator“, „Presenter“ oder „Trainer“ und „Moderator“), sprechen wir im deutschsprachigen Raum meist einfach von Moderatorinnen und Moderatoren. Das führt oft zu Verwirrung, da dieses Berufsfeld einfach wahnsinnig viel umfasst. Ich versuche das an dieser Stelle mal etwas aufzubröseln:

Event-Moderation

Event-Moderator:innen leiten ein Publikum digital oder analog durch eine Veranstaltung. Viele meiner Kolleg:innen, die das hauptsächlich machen, nennen sich auch „Conférencier“. Hier wird vorwiegend an- und abmoderiert, zum Teil auch Interviews oder Podiumsdiskussionen geführt. Manchmal erstellen Moderator:innen die Texte selbst und recherchieren die Inhalte eigenständig. Manchmal gibt der:die Auftraggeber:in vorher die Informationen und Stichpunkte für die Texte. Der oder die Moderator:in hat zur Aufgabe, die richtige Atmosphäre zu schaffen und die Menschen mitzunehmen und zu begeistern.

Messe-Moderation

Das ist eigentlich eine Unterkategorie der Event-Moderation, sie bringt aber nochmal besondere Herausforderungen mit sich. Auf der Messe hat man kein fixes Publikum, sondern muss Laufpublikum dazu bringen, stehen zu bleiben. Zudem geht es oft sehr laut und hektisch auf Messen zu. Der:die Moderator:in muss es in diesem Trubel schaffen, trotzdem thematischen Mehrwert zu bieten und gute Gespräche zu führen – und gleichzeitig deutlich auf sich und den Stand aufmerksam machen.

Workshop-Moderation

Hier wird von der:dem Moderator:in erwartet, interaktiv und methodisch zu arbeiten. Die Vorbereitung ist sehr viel herausfordernder und die Arbeitsweise eine gänzlich andere. Kleingruppen müssen motiviert werden, mitzugestalten, Themen sollen selbst erarbeitet werden und auf klassische An- und Abmoderationen kann größtenteils verzichtet werden. Die moderierende Person sollte die Thematik des Workshops gut kennen und sich mit den Herausforderungen und Besonderheiten des Themas vertraut machen.

Prozess-Moderation

In Prozessen werden Gruppen und Teams dabei begleitet, selbst zu Lösungen zu kommen. Der:die Moderator:in bereitet dafür Methoden vor, leitet Gespräche und schafft eine vertrauensvolle Atmosphäre. Prozess-Moderationen erfordern ein ganz besonderes Gefühl und Händchen für Gruppen und auch gruppeninterne Konflikten.

Panel-Moderationen

Podiumsdiskussionen sind Teil vieler wissenschaftlicher, kultureller und politischer Veranstaltungen. Die Rolle der:s Moderator:in ist es hier, ein spannendes Gespräch zu gestalten, die richtige Atmosphäre zu schaffen und kluge, herausfordernde Fragen zu stellen. Auch mit Streitgesprächen muss man gut umgehen können. Moderierende sollten das Thema gut kennen, aktuelle Diskurse dazu recherchieren und sich gut auf die Podiumsteilnehmenden vorbereiten. Auch gilt es, das Publik mit einzubeziehen. Eine richtig gute Podiumsdiskussion ist eine Königsdisziplin der Moderation. Hier finden Sie mehr Tipps zur Moderation einer Paneldiskussion.

TV-Moderationen

Fernsehmoderationen können viele der oben genannten Moderationstypen beinhalten. Auch im TV braucht es Diskussionsleitende wie bei Podiumsmoderationen, es braucht An- und Ab-Moderationen und gute Interviews. Manchmal wird im Fernsehen live aufgenommen und direkt ausgestrahlt, manchmal erfolgt eine Live-On-Tape-Aufnahme und manchmal kann beliebig oft wiederholt werden. Eine Studio-Aufnahme bietet zwar mehr Ruhe als die Moderation von öffentlichen Veranstaltungen, erschwert aber das Atmosphäre-Schaffen, da der direkte Kontakt mit dem Publikum fehlt. Hinzu kommt, dass häufig geübt werden muss, mit einem Telepromter zu arbeiten.

Sie sehen, unter dem Berufsbild „Moderator:in“ finden sich viele verschiedene Schwerpunkte wieder. Am relevantesten ist wohl der Unterschied zwischen Prozess- und Workshop-Moderation im Vergleich zur klassischen Event-Moderation. Vielen Auftraggebenden ist nicht klar, dass nicht alle Moderator:innen alle Formen der Moderation abdecken. Für Moderierende ist es also wichtig, die Positionierung klar zu formulieren.

Sie haben das Gefühl, noch nicht genau herausgefunden zu haben, was Ihnen liegt? Oder Sie brauchen Begleitung bei den ersten Schritten zur:m Moderator:in? Ich helfe Ihnen gerne dabei! Hier finden Sie mehr dazu (KLICK).

Moderatorin Merle Becker bei einer Live Moderation
Eine Kamera filmt eine TV-Moderation von Moderatorin Merle Becker
Merle Becker Workshopmoderation
Menschen arbeiten in einem moderierten Workshop